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Bau eines Laichkäfigs als Laich- und Kormoranschutzanlage

Eckdaten der Maßnahme

  • Verein: Angelsportverein Eschwege e.V. (ASV Eschwege)
  • Datum: 23. März 2026
  • Beschluss Gewässerwarte: Sitzung vom 16. März 2026
  • Materialbeschaffung IBC-Gitterboxen: Thomas Eichholz
  • Bau und Fertigstellung: Simon Schäfer, Ionel Catianis
  • Maßnahme: Bau und Installation eines Laichkäfigs (Laich- und Kormoranschutzanlage)
  • Vorbild / Konzeptbasis: Petri-Schutzsystem (PSS), Rietmann-Oegi (www.rietmann-oegi.de/petrischutzsystem)
  • Verwendete Materialien: 2x IBC-Gitterboxen (Stahl-Gitterkonstruktion), 5x Laichbürsten
  • Verbindungsmaterial: Kabelbinder
  • Zielart: Friedfische (Initialbesatz Weißfische / Cypriniden)
  • Gewässer: Teich 1, ASV Eschwege (stehendes Vereinsgewässer)
  • Vorhandene Strukturmaßnahmen: 2x Röhrichtinseln (bereits installiert)
  • Status: Fertiggestellt – Annahme durch Fische ausstehend

Hintergrund und Anlass

Im Rahmen der laufenden Gewässerbewirtschaftung des ASV Eschwege wurde in Teich 1 ein Initialbesatz mit Weißfischen (Cypriniden) durchgeführt. In der Gewässerwart-Sitzung vom 16. März 2026 beschlossen die Gewässerwarte, das Laichgeschehen dieses Besatzes aktiv zu unterstützen und gleichzeitig einen Schutzraum gegen Kormorane zu schaffen. Dazu sollte ein Laichkäfig in Anlehnung an das Petri-Schutzsystem gebaut werden.

Nachdem Gewässerwart Thomas Eichholz die benötigten IBC-Gitterboxen beschafft hatte, wurde der Laichkäfig am 23. März 2026 von Simon Schäfer und Ionel Catianis fertiggestellt und in Teich 1 eingebracht. In Teich 1 sind bereits zwei Röhrichtinseln installiert, die als natürliche Struktur- und Laichhabitate dienen. Der Laichkäfig ergänzt diese bestehenden Maßnahmen gezielt: Er bietet zusätzliches Laichsubstrat in Form von Laichbürsten sowie einen physisch gesicherten Schutzraum gegenüber tauchenden Fressfeinden wie dem Kormoran.

Konzeptuelle Grundlage – Anlehnung ans Petri-Schutzsystem

Als Vorbild diente das kommerziell erhältliche Petri-Schutzsystem (PSS) des Herstellers Rietmann-Oegi. Das PSS ist eine kastenförmige Unterwasserkonstruktion, die Fischen als Fluchtburg vor Fressfeinden – insbesondere Kormoranen – dient und zusätzliche Lebens- und Rückzugsräume schafft.

Die eigene Umsetzung des ASV Eschwege greift dieses Grundprinzip auf und kombiniert es mit dem Ansatz der künstlichen Laichhilfe: Die Konstruktion soll gleichzeitig als Laichsubstrat für Haftlaicher und als physische Schutzstruktur gegenüber tauchenden Fressfeinden fungieren.

Konstruktion und Aufbau

Materialien

Für den Bau wurden folgende Materialien eingesetzt:

  • 2x IBC-Gitterboxen (Intermediate Bulk Container, Stahl-Gitterkonstruktion) – als strukturgebender Käfigrahmen
  • 5x Laichbürsten (spezielle Ablaichbürsten für Karpfenartige / Cypriniden, weiche Kunststoffborsten, weichmacherfrei)
  • Verbindungsmaterial: Kabelbinder

Konstruktionsprinzip

Die beiden IBC-Gitterboxen wurden miteinander verbunden und bilden den tragenden Käfig der Anlage. Ihre offene Gitterstruktur lässt Wasseraustausch und freien Durchzug zu, bietet gleichzeitig aber einen physischen Schutzraum gegen von oben tauchende Kormorane, die den Käfig nicht penetrieren können.

Die fünf Laichbürsten wurden innerhalb bzw. an der Konstruktion befestigt, so dass sie für laichbereite Weißfische als Ablaichsubstrat zugänglich sind. Die Bürsten wurden leicht schräg bis waagerecht ausgerichtet – entsprechend bewährter Praxis bei schwimmenden Laichbürstengestellen – um das Anheften der klebrigen Eier zu begünstigen.

Die Gesamtkonstruktion wurde so dimensioniert und positioniert, dass sie im Flachwasserbereich mit günstig Sonneneinstrahlung liegt, wo sich das Wasser früh erwärmt und die Laichbereitschaft der Cypriniden stimuliert wird.

Erwartete Funktionen der Anlage

Laichunterstützung

  • Bereitstellung von Haftsubstrat für klebrige Eier der eingesetzten Weißfische (Brassen, Rotaugen, Rotfedern o.ae.)
  • Erhöhung der Eierüberlebensrate durch Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung und mechanischer Einwirkung
  • Ergänzung der bereits vorhandenen Laichhabitate (Röhrichtinseln) durch zusätzliches künstliches Laichsubstrat
  • Förderung des Reproduktionserfolgs des durchgeführten Initialbesatzes

Kormoranschutz

  • Physische Barriere gegen tauchende Kormorane durch die Gitterkonstruktion der IBC-Boxen
  • Schaffung eines Rückzugsraums für Fische, ähnlich dem Wirkprinzip des Petri-Schutzsystems
  • Reduzierung des Fraß drucks insbesondere auf schwarmhaltende Jungfische und laichbereite Alttiere

Annahme und geplante Erfolgskontrolle

Ob und inwieweit die Konstruktion von den eingesetzten Fischen angenommen wird, muss in den kommenden Wochen durch regelmäßige Beobachtung überprüft werden. Erfahrungsgemäß suchen Cypriniden geeignete Laichplätze aktiv auf; gegebenenfalls ist ein Standortwechsel der Anlage notwendig, bis eine Annahme erfolgt.

Im Rahmen der Erfolgskontrolle sind folgende Beobachtungsparameter vorgesehen:

  • Sichtbeobachtung von Laichaktivität an den Bürsten (Laichzeit Weißfische: April – Juni)
  • Nachweis von Laicheiern und Brut an den Laichbürsten nach der Laichphase
  • Beobachtung von Kormoran-Verhalten im Bereich der Konstruktion
  • Bewertung des Zustands und der Haltbarkeit der Materialien (insbesondere IBC-Gitter und Laichbürsten)

Die Ergebnisse der Erfolgskontrolle werden dokumentiert und fließen in die Planung weiterer Maßnahmen für die kommenden Jahre ein.

Ausblick und Hinweise

Der Laichkäfig ist als sinnvolle Ergänzung zu den beiden bereits installierten Röhrichtinseln in Teich 1 zu verstehen. Gemeinsam bilden die drei Strukturelemente ein abgestuftes Angebot an Laichhabitaten und Schutzräumen für den eingebrachten Initialbesatz und künftig natürlich reproduzierende Bestände.

Für zukünftige Maßnahmen empfiehlt sich die Anschaffung von 1-2 weiteren Laichbürstengestellen sowie die Prüfung, ob eine Verankerung und Positionierung nahe bekannter natürlicher Laichzonen die Annahmerate verbessert.

Eschwege, 23. März 2026

Simon Schäfer und Ionel Catianis
Gewässerwarte, ASV Eschwege e.V.