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Bericht zur Besatzmaßnahme an Teich 1 und Teich 7

Die Maßnahme wurde federführend von den Gewässerwarten Simon Schäfer, Ionel Catianis und Johannes Nölker durchgeführt, die dabei tatkräftig von Karsten Kamith und Rüdiger Templin begleitet wurden. Ihr Engagement und ihre Unterstützung trugen wesentlich zu einem reibungslosen und tierschonenden Ablauf der Besatzmaßnahme bei.

Besetzte Fischarten und Besatzziel

Im Rahmen des Initialbesatzes wurden drei heimische Friedfischarten in verschiedenen Größenklassen eingesetzt. Die Auswahl unterschiedlicher Altersstufen ist bewusst gewählt, um eine ausgeglichene Alterspyramide im Habitat zu etablieren und damit eine stabile, sich selbst tragende Population zu fördern.


Brassen (Abramis brama)

Der Brassen ist ein klassischer Bewohner stehender und langsam fließender Gewässer. Als Bodengründler ernährt er sich von Kleintieren im Schlamm und Sediment und übernimmt eine wichtige Funktion im Nährstoffkreislauf des Gewässers. Zur Laichzeit – typischerweise zwischen April und Juni bei Wassertemperaturen um 15 °C – sammeln sich Brassen in großen Laichschwärmen an flachen, pflanzenbewachsenen Uferstellen. Die Männchen zeigen dabei einen deutlichen, perlartigen Laichausschlag an Kopf und Flossen.

    Brasse im Kescher – gut erkennbar die charakteristisch hochrückige Körperform


    Rotauge / Plötze (Rutilus rutilus)

    Das Rotauge gilt als einer der anpassungsfähigsten und verbreitetsten Weißfische Europas. Als Schwarmfisch hält es sich bevorzugt in flachen, pflanzenreichen Uferbereichen auf. Seine Laichzeit erstreckt sich von April bis Mai, wobei je nach Körpergröße 50.000 bis 100.000 selbstklebende Eier an Wasserpflanzen, Steinen oder Wurzeln abgelegt werden.

    Rotauge kurz vor dem Einsetzen – gut erkennbar das silbrig-graue Schuppenmuster


    Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus)

    Die Rotfeder ist ein typischer Bewohner stehender, pflanzenreicher Gewässer. Als ausgeprägte Pflanzenfresserin ist sie für die natürliche Regulierung von Algen und Wasserpflanzen von Bedeutung. Ihre Laichzeit reicht von April bis Juni. Rotfedern suchen bevorzugt flache, dicht bewachsene Uferstellen zum Ablaichen auf – genau jene Strukturen, die durch die installierten Röhrichtinseln gezielt bereitgestellt werden.

    Hinweis zur Alterspyramide: Durch den Besatz verschiedener Größenklassen aller drei Arten wird eine natürliche Altersstruktur angestrebt. Verschiedene Altersgruppen besetzen unterschiedliche Nahrungsökologische Nischen und tragen so zu einer effektiven Nutzung des verfügbaren Habitatpotenzials bei.

    Nahrungsgrundlage für Raubfische

    Ein wesentlicher Aspekt dieses Initialbesatzes ist es, den Friedfischbestand nachhaltig aufzubessern. Damit schaffen wir die notwendige Nahrungsgrundlage für einen gesunden und starken Raubfischbestand in der Zukunft. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Friedfisch- und Raubfischpopulation ist ein zentrales Merkmal eines ökologisch intakten Gewässers: Raubfische wie Hecht, Zander oder Barsch benötigen einen ausreichenden und dauerhaft verfügbaren Beutefischbestand, um sich gesund zu entwickeln und natürliche Verhaltensweisen auszuleben. Durch den gezielten Aufbau des Friedfischbestands legen wir heute das Fundament für ein selbstregulierendes, stabiles Ökosystem.

    Beobachtungen beim Besatz – Laichgeschehen

    Beim Besatz konnten an zahlreichen Individuen aller drei eingesetzten Fischarten deutliche Zeichen unmittelbar bevorstehender Laichreife festgestellt werden:

    • Ausgeprägte Laichausschläge (perlförmige Hautknötchen an Kopf, Körper und Flossen) bei männlichen Tieren – ein eindeutiger Indikator für die hormonell gesteuerte Fortpflanzungsbereitschaft.
    • Deutlich vergrößerte, laichgefüllte Bauchhöhlen bei weiblichen Individuen.

      Bewertung: Der Laichausschlag ist eine natürliche, hormonell bedingte Hautveränderung bei männlichen Cypriniden und kein Krankheitszeichen. In Verbindung mit dem laichgefüllten Bauch der Weibchen lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die natürliche Reproduktion in den betreffenden Gewässern in den kommenden Wochen stattfinden wird. Die Aussichten für eine erfolgreiche Eigenreproduktion sind damit als sehr vielversprechend einzustufen.

      Schonender Besatz und Temperaturausgleich

      Ein tierschutzgerechter und fischbiologisch korrekter Besatz setzt voraus, dass die eingesetzten Tiere so wenig Stress wie möglich erfahren. Besonderes Augenmerk wurde daher auf zwei wesentliche Punkte gelegt:


      Temperaturausgleich

      Als wechselwarme Tiere sind Fische vollständig von der Umgebungstemperatur abhängig. Ein abrupter Temperaturwechsel zwischen Transport- und Gewässerwasser kann zu einem regelrechten Temperaturschock führen, der Kreislaufversagen, Organschäden und eine dauerhafte Schwächung des Immunsystems nach sich zieht.
      Vor dem Einsetzen wurden daher die Wassertemperaturen im Transportbehälter und im Teich separat gemessen. Da der empfohlene Richtwert eine maximale Temperaturdifferenz von 3 °C zwischen Transport- und Teichwasser vorgibt, wurde bei zu großem Unterschied folgendermaßen vorgegangen:

      • Transportbehälter wurden zunächst auf der Wasseroberfläche des Teiches platziert, um einen langsamen, natürlichen Temperaturangleich zu ermöglichen.
      • In einem zweiten Schritt wurde dem Transportwasser schrittweise Teichwasser zugegeben, um auch pH-Wert, Härte und Sauerstoffgehalt anzugleichen.
      • Dieser Akklimatisierungsprozess wurde über einen Zeitraum von mindestens 30 Minuten durchgeführt.

      Schonende Freisetzung

      Das Einsetzen der Fische erfolgte ausschließlich durch schonende Übergabe direkt vom Transportbehälter ins Gewässer – bodennah, ruhig und ohne Einwerfen aus großer Höhe. Die Fische wurden möglichst im flachen Uferbereich entlassen und hatten die Möglichkeit, selbstständig in ihr neues Habitat einzuziehen.

        Schonende Freisetzung im flachen Uferbereich – Fisch gleitet selbstständig ins Gewässer

        Gewässerwarte beim behutsamen Einsetzen am Ufer von Teich 1

        Ökologische Bedeutung der Röhrichtinseln

        Insgesamt sind an beiden Gewässern drei schwimmende Röhrichtinseln installiert: Teich 1 ist mit zwei Röhrichtinseln ausgestattet, Teich 7 mit einer. Diese Strukturen stellen einen zentralen Bestandteil des ökologischen Gesamtkonzepts dar und sind die ideale Ergänzung zur durchgeführten Besatzmaßnahme.


        Funktion als Laich- und Schutzhabitat

        Das dichte Wurzelgeflecht der Röhrichtinseln bietet den eingesetzten Friedfischen ideale Bedingungen für die bevorstehende Laichablage. Rotfeder und Rotauge als typische Krautlaicher kleben ihre Eier bevorzugt an Pflanzenwurzeln und -stängeln in flachen Uferzonen – genau jene Strukturen, die durch das Wurzelwerk der Röhrichtinseln dauerhaft verfügbar sind. Kleinfische und Brut finden in diesem dichten Wurzelraum zudem natürlichen Schutz vor Fressfeinden.

        Nahrungsökologische Bedeutung

        Der Wurzelraum von Röhrichtinseln weist eine außergewöhnlich hohe Besiedlungsdichte auf. Phyto- und Zooplankton, Insektenlarven sowie andere Wirbellose bilden eine vielfältige Nahrungsgrundlage für Jungfische und Weißfische aller Altersklassen.


        Wasserqualität und Ökosystemfunktionen

        Die Röhrichtpflanzen nehmen aktiv Stickstoff und Phosphor aus dem Gewässerwasser auf. Durch regelmäßige Mahd wird Biomasse entnommen und dem Gewässer dauerhaft Nährstoffe entzogen. Zusätzlich beschatten die Inseln Teile der Wasseroberfläche, hemmen das Algenwachstum und dämpfen die sommerliche Erwärmung.


        Gesamtökologische Wirkung

        In Kombination mit dem Initialbesatz entfalten die Röhrichtinseln ihre volle Wirkung als Strukturelement für ein ökologisch stabiles Gewässer. Sie übernehmen gleichzeitig die Funktion von Laichhabitat, Fischunterstand, Nahrungsfläche, Wasserreiniger und Lebensraum für wassergebundene Insekten. Damit unterstützen sie aktiv das übergeordnete Ziel: die Herstellung und Förderung des gesamtökologischen Gleichgewichts.

        Geplante Laichhilfen

        Um die Erfolgsaussichten der natürlichen Reproduktion weiter zu verbessern, werden in den kommenden Wochen zusätzliche Laichhilfen in die Gewässer eingebracht. Dabei handelt es sich um künstliche oder naturnahe Strukturen (z. B. Reisigbündel, Jute- oder Kokosmatten, spezielle Laichbürsten), die den laichreifen Fischen geeignete Ablageflächen für ihre klebrigen Eier bieten. Sie erhöhen die Überlebensrate der Eier, da diese im Schutz der Laichsubstrate weniger der direkten Sonneneinstrahlung und mechanischen Einwirkungen ausgesetzt sind.

        Fangverbot für Friedfische

        An den Teichen 1 und 7 gilt ab sofort und bis einschließlich 01. Juli 2026 ein striktes Fangverbot für alle Friedfischarten (wie Brassen, Rotaugen und Rotfedern). Diese Maßnahme ist notwendig, um den frisch eingesetzten Fischbesatz zu schützen und den Tieren während der anstehenden Laichzeit die nötige Ruhe für die natürliche Vermehrung zu geben. Alle Vereinsmitglieder werden gebeten, diese Regelung zum Schutz der Bestände konsequent einzuhalten.

        Zusammenfassung und Ausblick

        Die Besatzmaßnahme vom 16. März 2026 stellt einen wichtigen Meilenstein in der ökologischen Entwicklung von Teich 1 und Teich 7 des ASV Eschwege dar. Durch den gezielten Initialbesatz mit Brassen, Rotaugen und Rotfedern in verschiedenen Größenklassen werden die Voraussetzungen für eine dauerhaft stabile und artenreiche Fischpopulation geschaffen.
        Die bereits installierten Röhrichtinseln – zwei in Teich 1 und eine in Teich 7 – erweisen sich als ideale Ergänzung: Sie bieten Laichsubstrat, Jungfischschutz, Nahrungsgrundlage und wirken aktiv zur Verbesserung der Wasserqualität bei. In Verbindung mit den in Kürze einzubringenden Laichhilfen wird ein Maximum an Reproduktionserfolg angestrebt.
        Die beim Besatz festgestellten Laichzeichen lassen darauf schließen, dass der Besatzzeitpunkt Mitte März optimal gewählt wurde. Alle Maßnahmen zusammen – Besatz, Röhrichtinseln, Laichhilfen und Fangverbot – verfolgen das gemeinsame Ziel, das gesamtökologische Gleichgewicht der Vereinsgewässer herzustellen und nachhaltig zu fördern.