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Pflegeeinsatz Röhrichtinseln

Arbeitsbericht vom 08. März 2026
Simon Schäfer & Ionel Catianis in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsdienst

Luftaufnahme: Röhrichtinsel mit Unterwasserschutznetz und natürliche Uferinsel

1. Was sind Röhrichtinseln?
Röhrichtinseln sind schwimmfähige Konstruktionen, die vollständig mit Röhricht (Schilf und verwandten Sumpfpflanzen) bewachsen sind. Ein stabiler Holzrahmen wird mit Schwimmkörpern und einem Schutzzaun versehen. Auf diesen Rahmen wird eine Pflanzmatte – ähnlich wie Rollrasen – gelegt. Anschließend wird die Insel an der gewünschten Stelle im Gewässer mittels Steingewichten fixiert.

Ursprünglich wurden Röhrichtinseln entwickelt, um die Wasserqualität zu verbessern und in stehenden, strukturschwachen Gewässern (z. B. Baggerseen) neue Lebensräume für Fische und andere Tiere zu schaffen. Als neuartige Gewässerstruktur vereinen sie auf ideale Weise die vielfältigen Interessen von Gewässerschutz, Naturschutz und Fischerei.

Ökologische Funktionen im Überblick:

  • Nährstoffentzug: Die Pflanzen nehmen Stickstoff und Phosphor aktiv aus dem Wasser auf und speichern diese in ihrer Biomasse.
  • Lebensraum: Über und unter Wasser entstehen dichte Wurzelstrukturen als Rückzugsort und Laichhabitat für Fische, Amphibien und Wirbellose.
  • Kormoranschutz: Das Unterwasserschutznetz verhindert, dass tauchende Vögel wie Kormorane an die Fische gelangen.
  • Insektenlebensraum: Die Pflanzenstrukturen bieten Libellen, Wasserläufern und zahlreichen anderen Insekten Brut- und Ruheplätze.
  • Flexibilität: Die Inseln können je nach Bedarf versetzt werden.

2. Nährstoffentzug durch Mahd
Eine der wichtigsten Pflegemaßnahmen bei Röhrichtinseln ist das regelmäßige Mähen des Röhrichts und die vollständige Entfernung des Mähguts aus dem Gewässerbereich. Dieser Schritt ist entscheidend für den tatsächlichen Nährstoffentzug:

Die Röhrichtpflanzen (vor allem Schilf, Phragmites australis) nehmen während ihrer Vegetationsperiode kontinuierlich Nährstoffe – insbesondere Stickstoff (N) und Phosphor (P) – aus dem Gewässerwasser auf und bauen diese in pflanzliche Biomasse um. Solange das Mähgut im oder am Gewässer verbleibt, werden die Nährstoffe beim Verrottungsprozess wieder in das Wasser freigesetzt. Erst durch die Entfernung des Schnittguts werden die Nährstoffe dauerhaft dem Nährstoffkreislauf des Gewässers entzogen. Dies trägt wesentlich dazu bei, die Eutrophierung (Nährstoffüberladung) des Gewässers zu verringern und die Wasserqualität langfristig zu verbessern.

Simon Schäfer und Ionel Catianis beim Pflegeeinsatz auf der Röhrichtinsel

3. Pflegeeinsatz am 08. März 2026

3.1 Beteiligte
Durchführung: Simon Schäfer und Ionel Catianis
Unterstützung: Arbeitsdienst des Vereins
Datum: 08. März 2026

3.2 Maßnahme: Mahd und Mähgutentfernung
Im Rahmen des Pflegeeinsatzes wurden die Röhrichtinseln vollständig beschnitten. Das anfallende Mähgut wurde sorgfältig gesammelt und vollständig aus dem Gewässerbereich entfernt. Damit wurden die in der Biomasse gebundenen Nährstoffe (Stickstoff, Phosphor) dauerhaft aus dem Gewässer-Nährstoffkreislauf entnommen – ein zentrales Ziel der Pflegemaßnahme zur Verbesserung der Wasserqualität.

Nach den Mäharbeiten auf der schwimmenden Insel

3.3 Versetzen einer Röhrichtinsel
Im Zuge des Einsatzes wurde eine der Röhrichtinseln an einen neuen Standort versetzt. Hintergrund: Bei hohem Wasserstand hatte das Unterwasserschutznetz dieser Insel den Gewässerboden nicht mehr erreicht und damit seinen Schutzeffekt (Kormoranabwehr für am Boden befindliche Fische) eingebüßt. Durch das Versetzen an eine flachere Stelle im Gewässer wird sichergestellt, dass das Netz wieder bis zum Grund reicht und die Fische zuverlässig geschützt sind.

Röhrichtinseln können flexibel an veränderte Wasserstände oder ökologische Erfordernisse angepasst werden – dies ist ein wesentlicher Vorteil des Systems gegenüber fest installierten Strukturen.

4. Fotodokumentation

Drohnenaufnahme: versetzen der Röhrichtinsel Simon Schäfer und Ionel Catianis

Detailaufnahme aus der Luft: Röhrichtinsel im Frühjahr

Röhrichtinsel

Mäharbeiten der Röhrichtinsel Simon Schäfer

5. Ökologischer Mehrwert – Lebensraum für Tiere
Röhrichtinseln sind weit mehr als ein Instrument zur Wasserqualitätsverbesserung. Unter Wasser entsteht im dichten Wurzelgeflecht ein einzigartiger Lebensraum: Phytoplankton und Zooplankton siedeln sich an, Kleinfische finden Schutz, und Raubfische wie Hecht oder Barsch nutzen die Struktur als Jagd- und Einstandsgebiet. Das Unterwasserschutznetz bietet zudem Dreikantmuscheln und anderen Benthosorganismen ideale Ansiedlungsflächen.

Über Wasser dienen die Pflanzen als Brut- und Rastplatz für zahlreiche wassergebundene Insekten. Besonders Libellen profitieren von den Röhrichtstrukturen als Eiablagesubstrat und Ansitzwarte.

Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) – typischer Bewohner von Röhrichtbereichen

6. Fazit
Der Pflegeeinsatz am 08. März 2026 war ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Gewässerpflege. Die vollständige Entfernung des Mähguts entzieht dem Gewässer gezielt Nährstoffe und unterstützt damit die Verbesserung der Wasserqualität. Das fachgerechte Versetzen einer Röhrichtinsel stellt sicher, dass der Kormoranschutz auch bei wechselnden Wasserständen wirksam bleibt.

Die Röhrichtinseln leisten damit einen mehrfachen ökologischen Beitrag: Sie verbessern die Wasserqualität, schaffen neue Lebensräume, schützen den Fischbestand und fördern die Artenvielfalt am Gewässer. Der regelmäßige Pflegeaufwand – insbesondere die jährliche Mahd und Mähgutentfernung – ist dabei eine unverzichtbare Voraussetzung für den dauerhaften Erfolg des Systems.