Feierstunde zum 90 jährigen Jubiläum
Ein Jubiläum besondere Art feierte der Angelsportverein Eschwege e.V. am 14.11.2009 im Saal der „Werraschänke“ im Anglerheim in Eschwege.
Rund 70 Gäste waren der Einladung zur morgendlichen Feierstunde gefolgt.
Unter ihnen Gerd Wenderoth, Präsident des Landesfischereiverbandes Hessen e.V. und Vizepräsident des Verbandes Hessischer Fischer e.V.
Der Vizelandrat des Werra-Meißner-Kreises Henry Thiele, MdL Dirk Landau CDU, MdL Sigrid Erfurth Bündnis 90/Die Grünen, der Bürgermeister von Eschwege Herr Jürgen Zick, der Fraktionsvorsitzende der Stadtfraktion der SPD Herr Rainer Brill. Katrin und Willi Nöding als Vertreter der Werra Fischerei Genossenschaft Bad Sooden-Allendorf, Fischzüchter Lothar Keidel und der Kreisfischereiberater Frank Reimuth.
Weiterhin nahmen Abordnungen von verschiedenen befreundeten Vereinen und die ehemaligen Vorsitzenden, Rudolf Feiertag und Horst Grebenstein, teil.
Der Vorstand und die Fischereiaufseher des ASV Eschwege waren ebenfalls vertreten.
Nach der Begrüßung aller Anwesenden folgte eine kurze Rückschau der vergangenen 90 Jahre durch den 1. Vorsitzenden Manfred Westphal. (angefügter Artikel)
Grußwort von Gert Wenderoth
Gerd Wenderoth, Präsident des Landesfischereiverbandes Hessen e.V. und Vizepräsident des Verbandes Hessischer Fischer e.V.,
eröffnete die Reihe der Grußworte.
Er hob die Werraversalzung hervor und forderte eine drastische Verringerung der Laugeneinleitung. Er bezweifle, dass die Politik und der Runde Tisch in der Lage seien, dies durchzusetzen.
Dem ASV Eschwege dankt er im Namen des VHF für die tatkräftige Mitwirkung in allen fischereilichen Belangen.
Grußwort Henry Thiele
Henry Thiele, Vizelandrat des Werra-Meißner-Kreises,
Teilnehmer des Runden Tisches, ist bei der Lösung der Versalzung der Werra eher Optimistisch. Der Angelsportverein Eschwege e.V. stellt für ihn einen festen Bestandteil im Vereinsleben des W-M-K dar.
Grußwort Dirk Landau
Dirk Landau, MdL-CDU,
unterstreicht die Wichtigkeit des Ehrenamtes, insbesondere das der organisierten Angelfischer.
Grußwort Sigrid Erfurth
Sigrid Erfurth, MdL Bündnis 90/Die Grünen,
dankt dem ASV Eschwege für die Unterstützung bei allen Fragen, die die Fischerei und die Gewässer, insbesondere der Werra, betreffen.
Grußwort Jürgen Zick
Jürgen Zick, Bürgermeister von Eschwege,
als alter Bekannter des Vereins hebt er das Engagement des Vereins bei dem Gewässerschutz hervor. Er dankt dem Verein für die jahrelange gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung.
Grußwort Lothar Keidel
Lothar Keidel, von dem gleichnamigen Forellenzuchtbetrieb,
dankt dem Verein für über 40 Jahre vertrauensvolle Geschäftsverbindungen.
Grußwort Siegfried Hussong
Siegfried Hussong von der VGG-Werra
und verschiedene Vereine gratulieren dem Angelsportverein zu seinem Jubiläum, unter ihnen der ASV Schwebda, ASV Oberrieden und die VGG und der ASV Wanfried.
Auszüge aus der Rede des 1. Vorsitzenden
Sehr geehrte Damen und Herren
Liebe Angelfreundinnen und Angelfreunde.
90 Jahre Angelsportverein Eschwege e.V. ist ein Anlass, der es sicher rechtfertigt uns heute hier zu treffen.
Als vor 90 Jahren 12 Eschweger Bürger, vornehmlich Eisenbahnbeamte, sich im Hotel Schmidt am Bahnhof trafen um diesen Verein ins Leben zu rufen, hatte Eschwege 13.000 Einwohner, die Werra war ein klares, reines und fischreiches Gewässer in der neben Hecht und Aal alle Weißfischarten und die Barbe in großer Zahl und beachtlichen Exemplaren vorkamen.
Der Verein wurde unter dem Namen „ Sportfischerei – Vereinigung für Eschwege 1919“ gegründet. Die Gewässerstrecke bestand aus der Pachtung des Eisenbahnwagenwärters Gustav Vogler, der auch der 1. Vorsitzende des Vereines wurde.
Der monatliche Beitrag betrug damals 50 Pfennig.
1934 wurde ein erstes Fischereirecht in der Werra gekauft und somit wurde der Verein auch in dem Jahr 1934 Mitglied in der Fischereigenossenschaft BSA.
Vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges zählte der Verein 80 Mitglieder und der Beitrag lag bei 18 RM.
Viele Mitglieder wurden eingezogen oder mussten Dienstleistungen in besetzten Gebieten erbringen. So ging der 2. Weltkrieg nicht spurlos an unserem Verein vorüber.
Aus Solidarität ließen die Vereinsmitglieder den Familien, der zur Wehrmacht eingezogenen Mitgliedern Fische aus eigenen Fängen zukommen.
1949 gab sich der Verein eine neue Satzung, deren Grundzüge auch heute noch zu erkennen sind.
1957 war gekennzeichnet durch ein großes Fischsterben in der Werra, bedingt durch die Einleitung von Kalilauge im Oberlauf der Werra.
Ebenfalls fand erstmals das Bundesjugendlager in Eschwege statt. Initiatoren waren der Eschweger Siegfried Jung und der Bundesjugendwart Harry Hohnke, der heute Morgen als Freund und Ehrenmitglied unter uns weilte.
Schon damals wurde im Verein die Philosophie vertreten, dass eine gute Jugendarbeit unbedingt notwendig ist.
Ebenfalls in dieser Zeit wurde der Teich I, in der Gemarkung Grebendorf, von der Familie Schößler angepachtet. Der Teich I ist somit der von uns am längsten bewirtschaftete Baggersee.
Die Pachtung des Gewässers läuft ohne Unterbrechung bist zum heutigen Tage.
In den nächsten Jahren wurden weitere Baggerseen hinzugepachtet und der Arbeitsdienst wurde neu organisiert.
1968 wurde der aus Einzelteichen bestehende Werratalsee zusammen mit dem ASV Schwebda gepachtet.
Auch hier zeigte sich, dass das gemeinsame Ziel den Weg weist und wir bis heute durch ein gutes Verhältnis geprägtes Miteinander der beiden Angelvereine allen Herausforderungen in fischereilicher Hinsicht gewachsen waren.
1976 wurde Konrad Wittich 1. Vorsitzender. Bis dahin hatte er 10 Jahre das Amt des Gewässerwartes begleitet.
Der Neubau des Vereinsheimes nimmt 1978 konkrete Formen an.
Das Grundstück wurde bereits 1970 unter dem Vorsitzenden Rudolf Feiertag gekauft.
1980 folgt der 1. Spatenstich und nach 10800 freiwilligen Arbeitsstunden der Mitglieder konnte das Haus 1983 eingeweiht werden.
Hier soll auch nicht verschwiegen werden, dass wir von der Stadt Eschwege und dem Hess. Sozialministerium mit Zuschüssen bedacht wurden.
Die Werra befördert in dieser Zeit täglich 40.000 t Salz zur Weser und von dort in die Nordsee. Der Salzgehalt ist doppelt so hoch wie der der Nordsee.
Das Leben in der Werra ist für fast alle Fischarten unmöglich. Die Pflanzenwelt reduzierte sich auf die Salzwasserresidenten Arten. Ebenso erging es den Fischnährtierchen, allein der gammerus tigrinus, eine Salzwasserart des Flohkrebses konnte in diesem Milieu überleben.
Der ASV Esw wendete in dieser Zeit große Summen auf, um mit dem Besatz von Aalen und Regenbogenforellen ein Mindestmaß an fischereilichen Leben in der Werra zu erhalten.
1987 konnte mit dem Teich VIII bei Altenburschla ein weiterer Baggersee käuflich erworben werden und weitere Pachtverträge für andere Teiche wurden verlängert.
1992 treten Konrad Wittich als 1. Vorsitzender und Richard Wittich als Gewässerwart aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl an.
Manfred Westphal wird 1. Vorsitzender und Frank Reimuth 1. Gewässerwart.
In den Folgejahren gestaltet sich der Weg des ASV positiv. Die Mitgliederzahlen entwickeln sich nach oben und damit auch die Finanzkraft des Vereines. Dies kommt der Pflege der heimischen Fischarten und der Pflege der Gewässer zu Gute.
Der Teich V wird käuflich erworben und das Anglerheim wird renoviert. Es wird eine neue Wirtschaftsküche im oberen Bereich und eine Gästeküche im unteren Bereich eingebaut. Eine neue Heizung wird installiert.
Für den Werratalsee wird ein Fischereipachtvertrag über 12 Jahre abgeschlossen. Zusammen mit dem ASV Schwebda kann nun endlich dieses Gewässer fischereilich nachhaltig, nach den Vorgaben des HFischG, bewirtschaftet werden.
Große Sorge bereitet uns am WTS der Kormoran. Hier sollte jeder Entscheidungsträger darauf achten, dass der neu zu fassende Kormoranerlass allen an und in den Gewässern vorkommende Tierarten einen ausreichenden Lebensraum bietet, denn nur in einer ausgewogenen Zusammensetzung wird das Überleben aller möglich machen
Das Anfang der 90er Jahre in Kraft getretene neue HFischG machte eine völlige Umstrukturierung der fischereilichen Ausbildung notwendig. Die Sportfischerprüfung des Verbandes wurde abgeschafft und die Staatliche Fischerprüfung wurde eingeführt. Seit der Einführung der Staatlichen Fischerprüfung wurden ca. 700 angehende Angelfischer in diesen Räumen ausgebildet und auf die staatliche Prüfung vorbereitet.
Das Ausbildungsteam setzt zusammen aus Willi Bartholomä, Lars Renner und Frank Reimuth als Ausbilder und mich als Ausbilder und Lehrgangsleiter. Gerade haben wir wieder 51 Personen auf die Anfang Dezember stattfindende Prüfung vorbereitet.
Heute stellt sich der Verein als eine solide gewachsene Vereinigung von Angelfischern dar, der zwar nicht im Geld schwimmt aber sein Auskommen hat.
Dazu trägt ganz sicherlich die Entscheidung bei, den gastronomischen Teil des Anglerheimes zu vermieten, was sich wiederum positiv auf die Entwicklung der Mitgliedsbeiträge auswirkt
Auch die Eigentumsteiche sind eine deutliche Entlastung bei den aufzubringenden Pachtsummen für unsere Angelgewässer.
Große Freude bereitet uns nach wie vor unsere Jugendgruppe. 52 Jugendliche werden von engagierten und gut ausgebildeten Jugendwarten an das sensible Hobby der Angelfischerei herangeführt. Sie lernen dabei den sorgsamen Umgang mit der Kreatur und der Natur, sie lernen dabei den Umgang mit Gleichaltrigen, was wiederum für das soziale Verhalten förderlich ist.
Für die Zukunft werden wir in erster Linie weiterhin ein Angelverein sein, der die Vielfalt der im anvertrauten Gewässer mit seinem heimischen Fischbestand aufbaut und erhält.
Die Präambel des HFischG sagt hierzu:
Ordnungsgemäße Fischerei trägt zur Erhaltung der Kultur- und Erholungslandschaft, insbesondere der Gewässer als Bestandteil des Naturhaushaltes, bei.
Dieser Prämisse werden wir weiterhin folgen und unser bestes geben.






